Durch einen Artikel von Fritjof Meyer über die Zahl der Opfer von Auschwitz wurde eine Kontroverse ausgelöst, die beim IDGR dokumentiert wird. Die Artikel und Beiträge dieser Dokumentation geben keine Stellungnahmen des IDGR wieder, sondern die der jeweiligen Autoren.


Der folgende Artikel wurde erstmals veröffentlicht in IDGR-Website. 27.1.2004 und erscheint nun mit Genehmigung der Autoren in THHP-Website


Fritjof Meyers "Replik" - unter die Lupe genommen

von Albrecht Kolthoff

In dem vorausgehenden Artikel "Unglaubhaft, nicht vorstellbar" wurden die zentralen Mängel und Fehler der "Replik" von Fritjof Meyer auf Franciszek Piper angesprochen; zahlreiche in dieser Replik enthaltenen Details wurden dort nicht weiter behandelt, um den Blick auf die Kernfragen konzentrieren und den Gegenstand systematischer darstellen zu können.

Hier soll nun auf eine Reihe von Detailfragen eingegangen werden, die in Meyers "Replik" aufgeworfen wurden. Ohne weiteren Anspruch auf systematische Strukturierung werden die Themen in der Reihenfolge ihrer Darstellung bei Meyer behandelt.

Im folgenden sind alle fett gesetzten Abschnitte der "Replik" von Meyer entnommen, die darauf folgenden Absätze stellen die Erwiderung darauf dar. Soweit nicht anders angegeben, stammen alle Piper-Zitate aus der englischen Übersetzung von Pipers "Rezensionsbeitrag", auf die sich Meyer mit seiner "Replik" bezogen hatte.


Es ist das Verdienst des Museums Auschwitz und seines Archivs, des APMO, und besonders Franciszek Pipers, die täuschende Zahl von vier Millionen Opfern nach der Wende korrigiert zu haben, auf 1,1 Millionen.

Der Begriff "Wende" für die Entwicklung Polens zur Demokratie in den Jahren 1989/1990 lässt keine genaue Datierung zu; jedenfalls suggeriert dieser Satz, Piper habe erst nach dieser Wende die Vier-Millionen-Zahl korrigiert. Tatsächlich hatte Piper bereits Mitte der 1980er Jahre die immer noch offiziell vertretene Angabe kritisiert und 1987 auf einer Konferenz die revidierte Zahlenangabe vertreten.

Die Phantasiezahl gründet sich laut Piper auf die Krematoriumskapazität (das ist auch ein Teil meiner Methode, die aber zu einem Zehntel der behaupteten Opferzahl führt) und auf zwei detaillierte Zeugenaussagen (Tauber, Dragon), die aber jahrzehntelang geheimgehalten wurden. Dass beide die von ihnen selbst gar nicht ermittelbare Vier-Millionen-Zahl übernommen haben, spricht eher gegen die Zuverlässigkeit ihrer Zeugenschaft. Die extreme Zahl bedingte einen anderen Tatort als die beiden umgebauten Bauernhäuser. Die Krematorien, in denen der Gasmord immerhin versuchsweise stattgefunden hatte, boten sich dafür an - obwohl in dem sowjetischen Kommissionsbericht die Krematorien wie überhaupt der Gasmord jeweils nur mit einem Satz erscheinen.

Für Meyer steht damit fest, dass die Vier-Millionen-Zahl einer willkürlichen Festlegung entspringt; dem gemäß behauptet er, es hätten sich als Folge dieser Festlegung die dazu passenden Mordorte finden lassen müssen.

Tatsächlich legte Piper (wie schon in seinem Buch "Die Zahl der Opfer von Auschwitz", 1993) dar, wie die sowjetische Kommission zu ihrem Ergebnis kam, nämlich durch Aussagen von Zeugen über die Betriebsdauer und die Kapazität der Krematorien; diese Angaben dienten als Ausgangspunkt und ergaben dann die Vier-Millionen-Zahl.

Die Rote Armee besaß die Unterlagen der Zentralbauleitung, die Sterbebücher, die Kommandanturbefehle, womöglich sogar das gesamte Lager-Archiv mit über 127000 Akten, die dem Vernehmen nach demnächst erst vom russischen Innenministerium an Polen zurückgegeben werden sollen. Alle diese Beweismittel wurden nach Piper "destroyed before liberation".

Piper hatte keineswegs von dieser Art Unterlagen gesprochen, die sämtlich vernichtet worden seien, sondern: "When the Soviet army entered the camp on January 27, 1945, they did not find any German documents there giving the number of victims, or any that could be used as a basis for calculating this number. Such documents (transport lists, notifications of the arrival of transports, reports about the outcome of selection) had been destroyed before liberation. For this reason, the Soviet commission investigating the crimes committed in Auschwitz Concentration Camp had to make estimates."

Damit befindet sich Piper in Übereinstimmung mit zahlreichen Angaben. Beispielhaft sei hier nur die Aussage des Josef Erber wiedergegeben, der für einen Fernsehfilm vom Journalisten Ebbo Demant interviewt wurde:[1]

[Frage des Interviewers] Direkt von der Rampe in die Gaskammer?
ERBER: Direkt von der Rampe weg. Da wurden sie aber vorher noch einmal gezählt, denn Berlin verlangte von uns, daß haargenau gezählt wird, und auch die Details, also extra gehalten, ob Männer oder Frauen.

Unterlagen dieser Art wurden nicht in Auschwitz gefunden, weil sie direkt "nach Berlin" weitergeleitet wurden und gar nicht im Lager verblieben.

Auch im Fall des Massakers von Babij Jar, das von denselben beiden Gerichtsoffizieren untersucht worden war, sind im sowjetischen Kommuniqué die Juden als hauptsächliche Opfer verschwiegen worden, und zwar auf Weisung von oben. Da drängt sich der Verdacht auf, dass die Millionenopfer aus eigenen sowjetischen Verbrechen (Staatsanwalt Rudenko war an Katyn beteiligt) statistisch vertuscht oder aufgerechnet werden sollten: eine Propagandalüge.

Welche sowjetischen Verbrechen spricht Meyer hier an, wenn er von "Millionenopfern" spricht? Konkret nennt er Katyn - dort brachten sowjetische Einheiten allerdings nicht Millionen um, sondern etwa 4.000 polnische Offiziere. Daher ist diese Erwähnung von "Millionenopfern" in diesem Kontext ohne jeden Bezug; sollten damit Opfer des Bürgerkrieges, der ukrainischen Hungersnot oder der stalinistischen Verfolgungen der 1930er Jahre gemeint sein, so mag zwar die Größenordnung stimmen, es fehlt aber jeglicher Zusammenhang.

Meyer "drängt sich ein Verdacht auf" - ein gutes Recht auch eines Forschers, Verdacht zu äußern. Jedoch hat Meyer weitaus mehr getan als nur einen Verdacht zu äußern: Wie schon weiter oben gezeigt, hat er diesen Verdacht für sich zur Gewissheit gemacht und der sowjetischen Kommission unterstellt, sie sei zuerst zu ihrer "Phantasiezahl" gekommen, die dann erst den Mordstätten der Krematorien zugewiesen worden sei.

Damit hat Meyer jedoch nichts anderes getan als einen Verdacht zum Ausgangspunkt seiner Thesen in Bezug auf das Zustandekommen der Vier-Millionen-Zahl zu nehmen.

Zurückhaltend äußerten sich im Frankfurter Auschwitz-Prozess die Zeugen Filip Müller, Paisikovic und Porebski.

Zitiert nach Langbein:

Vorsitzender: Haben Sie den Einwurf des Giftgases beobachten können?
Porebski: Ja, mehrmals. Ich war einmal auf Ringkontrolle beim Lagerabschnitt B I b. Da sah ich, wie SSler schnell die Büchsen geöffnet haben. Auf dem Dach jeder Gaskammer waren vier Öffnungen. Der Einwurf erfolgte sehr schnell. Ich ging gerade am Zaun zwischen dem Frauenlager und dem Krematorium entlang. Ich habe von dort genau beobachten können. Ich fragte auch den Capo, woran sie denn erkennen, daß schon alle in der Gaskammer tot seien. Der Capo sagte mir, ein SS-Arzt gebe die Erlaubnis zum Öffnen der Gaskammer.
Staatsanwalt Kügler: Wieviel Opfer waren in einer Gaskammer?
Porebski: In den beiden größeren Krematorien I und II 1800 bis 2000.[2]
Staatsanwalt Kügler: Gab es rein architektonisch einen Unterschied zwischen den Krematorien I, II und den Krematorien III und IV?
Müller: Die Krematorien I und II waren gleich gebaut, die Krematorien III und IV ebenfalls. In den Krematorien I und II waren je 15 Öfen im Erdgeschoß, jedes Krematorium hatte einen Kamin. Man ging über Treppen in den Auskleideraum hinunter, der unter der Erde lag. Dort waren Haken und hölzerne Bänke. Die Inschriften an der Wand waren in verschiedenen Sprachen. "Zum Bad" stand dort, mit einem Pfeil zur Gaskammer. Von der Gaskammer ging ein Aufzug hinauf. Mit ihm wurden die Leichen in den Verbrennungsraum gebracht.[3]

Was Meyer mit "zurückhaltenden Äußerungen" meint, müsste er schon genauer darlegen.

Die von der polnischen Regierung noch in Nürnberg vorgetragenen "Showers and steambeds" kamen, anders als Piper meint, auch in Euthanasie-Anstalten nicht als Tötungsmethoden zur Anwendung.

Damit unterstellt Meyer, Piper habe "showers and steambeds" als Tötungsinstrumente in den Euthanasie-Anstalten behauptet, also die Tötung durch Verwendung von überhitztem Wasser oder Dampf.

Piper schrieb dagegen:

In technical terms, the gas chambers were utterly simple equipment: they functioned on the principle of a closed space into which poison gas could be introduced. Any sort of stationary or mobile structure could be used for this purpose. Showers or steam-baths were used in the euthanasia centers, specially constructed trucks in Chelmno (Kulmhof), barracks in Treblinka, and, for a time, two farmhouses in Brzezinka (Birkenau).

Abgesehen von dem Falschzitat ("steambeds" anstelle von "steam-baths") wird damit klar, dass Piper von den Räumlichkeiten bzw. räumlichen Strukturen sprach, in denen als "closed space into which poison gas could be introduced" Vergasungen stattfanden.

Entweder hat Meyer diese Aussage von Piper nicht verstanden oder er hat sie missverstehen wollen; für einen verständigen Leser ist jedenfalls nicht nachvollziehbar, wie Meyer zu dieser Unterstellung kommen konnte.

Pipers Annahme, "that Höss had every opportunity to correct his testimony before both the IMT in Nuremberg and in Polen", übersieht Höss' Situation: Er fürchtete die Auslieferung an Polen, sein Sohn war mit Sibirien bedroht worden. Immerhin hat er auch einiges widerrufen: In "Die Endlösung..." erklärte er seine eigene Angabe von 2,5 Millionen Opfern als "viel zu hoch".

Genau das ist der Umstand, der von Vertretern der Theorie, sämtliche mündlichen und schriftlichen Äußerungen von Höß seien aufgrund seiner Situation als wertlos anzusehen, am schwierigsten zu erklären ist.

Höß musste in Nürnberg keine Auslieferung an Polen befürchten, denn sie stand bereits fest. Meyer unterlässt es zu erwähnen, dass Höß in Nürnberg als Zeuge der Verteidigung (von Kaltenbrunner) aussagte, statt dessen stand er für Meyer dort "unter Druck". Die Anklage in seinem eigenen Prozess in Warschau hatte ihn für den Tod von "mindestens 2,8 Millionen Menschen" verantwortlich gemacht, das Gericht hatte in seinem Urteil die Zahl von drei bis vier Millionen Opfern als "sehr wahrscheinlich" betrachtet.[4]

Höß' Aufstellung in seinen "Aufzeichnungen" kam dagegen zu einer Gesamtzahl der Todesopfer von Auschwitz von 1,13 Millionen. Inwiefern er dabei "unter Druck" gestanden haben oder etwas "gefürchtet" haben soll, bleibt Meyers Geheimnis.

In seiner letzten Aufzeichnung vor dem Galgen, den "Erinnerungen", fällt auf, dass er es unterlässt, die Krematoriumskeller als Tatort zu bezeichnen, wohl aber ausführlich die Tötungen in den umgebauten Bauernhäusern beschreibt.

Höß hatte im November 1946 geschrieben:

Die provisorische Anlage I wurde bei Beginn des Bauabschnittes III des Lagers Birkenau abgerissen. Die Anlage II, später als Freianlage oder Bunker V bezeichnet, war bis zuletzt in Betrieb, und zwar als Ausweichmöglichkeit bei Pannen in den Krematorien I bis IV. Bei Aktionen mit dichterer Zugfolge wurden die Vergasungen bei Tage in V durchgeführt, die nachts ankommenden Transporte in I bis IV.[5]
Die zur Vernichtung bestimmten Juden wurden möglichst ruhig - Männer und Frauen getrennt - zu den Krematorien geführt. Im Auskleideraum wurde ihnen durch die dort beschäftigten Häftlinge des Sonderkommandos in ihrer Sprache gesagt, daß sie hier nun zum Baden und zur Entlausung kämen, daß sie ihre Kleider ordentlich zusammenlegen sollten und vor allem den Platz zu merken hätten, damit sie nach der Entlausung ihre Sachen schnell wiederfinden könnten. Die Häftlinge des Sonderkommandos hatten selbst das größte Interesse daran, daß der Vorgang sich schnell, ruhig und reibungslos abwickelte. Nach der Entkleidung gingen die Juden in die Gaskammer, die mit Brausen und Wasserleitungsröhren versehen, völlig den Eindruck eines Baderaumes machte. Zuerst kamen die Frauen mit den Kindern hinein, hernach die Männer, die ja immer nur die [an Zahl] wenigeren waren. Dies ging fast immer ganz ruhig, da die Ängstlichen und das Verhängnis vielleicht Ahnenden von den Häftlingen des Sonderkommandos beruhigt wurden. Auch blieben diese Häftlinge und ein SS-Mann bis zum letzten Moment in der Kammer.
Die Tür wurde nun schnell zugeschraubt und das Gas sofort durch die bereitstehenden Desinfektoren in die Einwurfluken durch die Decke der Gaskammer in einen Luftschacht bis zum Boden geworfen. Dies bewirkte die sofortige Entwicklung des Gases. Durch das Beobachtungsloch in der Tür konnte man sehen, daß die dem Einwurfschacht am nächsten Stehenden sofort tot umfielen. Man kann sagen, daß ungefähr ein Drittel sofort tot war. Die anderen fingen an zu taumeln, zu schreien und nach Luft zu ringen. Das Schreien ging aber bald in ein Röcheln über, und in wenigen Minuten lagen alle. Nach spätestens 20 Minuten regte sich keiner mehr. Je nach Witterung, feucht oder trocken, kalt oder warm, weiter je nach Beschaffenheit des Gases, das nicht immer gleich war, nach Zusammensetzung des Transportes, viele Gesunde, Alte oder Kranke, Kinder, dauerte die Wirkung des Gases fünf bis zehn Minuten. Die Bewußtlosigkeit trat schon nach wenigen Minuten ein, je nach Entfernung von dem Einwurfschacht. Schreiende, Ältere, Kranke, Schwächliche und Kinder fielen schneller als die Gesunden und Jüngeren.[6]

Dass Höß in den im Februar 1947 abgeschlossenen "Aufzeichnungen" nicht noch einmal detailliert niederschrieb, was er zwei Monate vorher eingehend beschrieben hatte, muss nicht verwundern; als autobiographische Aufzeichnungen (Titel: "Meine Psyche. Werden, Leben und Erleben") enthalten sie einige Dinge nicht, von denen bekannt ist, dass sie existiert bzw. stattgefunden haben.

Als "crucial document" beruft sich Piper auf eine Fassung, die ein Falsifikat darstellt: den "Brief" vom 28.Juni 1943, angeblich unterschrieben von einem SS-Sturmbannführer Jährling.

Das Papier ist nicht unterschrieben, auch nicht von dem Zivilarbeiter der Bauleitung (keineswegs "Sturmbannführer") Jährling, wie Piper sogar aus der von ihm selbst zitierten Quelle "SS im Einsatz", S.269, hätte entnehmen können, wo Jährling nur im Verteiler steht. Das ist allerdings die manipulierte Version von 1957, die aus der DDR stammt, laut Piper etwas mysteriös aus "Domburg, BRD" (solch Ort ist nur in den Niederlanden und in Surinam gelegen). In Pipers eigenem Buch "Die Zahl der Opfer von Auschwitz", S.24, befindet sich die Vorlage: das entsprechend manipulierte Faksimilé einer beglaubigten "Abschrift", aus dem APMO.

Das Original dazu liegt im Moskauer Sonderarchiv (502/1-314), was in der DDR also schon 1957 bekannt war - keineswegs "destroyed before occupation". Van Pelt hat dieses Original als Faksimilé veröffentlicht (The Case for Auschwitz, S.343): Jährling steht nur handschriftlich im Verteiler, sein Name wurde hernach auf der Abschrift vom Fälscher maschinenschriftlich an die Stelle der Unterschrift gerückt. Dadurch wurde der Eindruck erweckt, der Brief sei abgesandt worden.

Das Original ist nicht unterschrieben, weil es sich nur um einen Entwurf handelte, der offenkundig gerade nicht abgesandt wurde. Denn er stützt sich auf den Bau-Erläuterungsbericht vom 30.Oktober 1941, welcher überholt war, und läuft den ersten praktischen Erfahrungen zuwider. Das belegt nun mein "crucial document", der Brief des Ingenieurs Kurt Prüfer vom 8.September 1942.

An dieser Stelle muss deutlich herausgestellt werden, dass Meyer zwar starke Worte gegen diejenige Fassung des fraglichen Briefes (eine Nachkriegs-Abschrift) findet, die von Piper verwendet wurde und bei Piper im Faksimile abgedruckt ist[7]. Er stellt jedoch offensichtlich nicht die Echtheit des Dokumentes an sich in Frage, dessen Faksimile aus dem Moskauer Archiv bei van Pelt abgedruckt ist.

Damit unterscheidet sich Meyer von David Irving, der in seinem Verfahren gegen Deborah Lipstadt und Penguin-Verlag die Echtheit insgesamt in Frage gestellt hatte. Van Pelt hat in seinem Buch ausführlich zur Quellenkritik dieses Dokuments geschrieben[8], eine Seite nach dem von Meyer erwähnten Faksimile. Van Pelts Argumente für die Echtheit des Dokuments lassen sich so zusammenfassen:

Wenn das Dokument gefälscht sein sollte, dann müssten sowjetische Stellen die Fälscher gewesen sein. Wenn es gefälscht worden sein sollte, warum ist es dann nirgendwo als Beweisstück oder propagandistisch eingesetzt worden? Tatsächlich hatte die sowjetische Militärkommission in ihrem Bericht eine mehr als doppelt so hohe Krematorien-Kapazität behauptet als in diesem fraglichen Dokument überliefert. Den Sowjets war das Dokument früh bekannt, denn in dem Moskauer Archiv findet sich eine russische Übersetzung, die auf den 28. April 1945 datiert ist. Der Kommissionsbericht stammte vom Mai 1945, dennoch wurde das Dokument nicht erwähnt, eben weil es nur die Hälfte der Kapazität belegte, die von der Kommission behauptet wurde.

Wie Meyer richtig feststellt, ist das bei van Pelt abgebildete Exemplar das "Original dazu". Es ist jedoch nicht das Brief-Original, denn es handelt sich ja gerade um ein Schreiben der Bauabteilung Auschwitz an das WVHA in Berlin, das von den Sowjets in Auschwitz erbeutet wurde. Demnach ist dieses "Original" die Durchschrift eines Schreibens der Bauabteilung, die dort in Auschwitz zu den Akten genommen wurde. Selbstverständlich ist daher diese Durchschrift nicht unterschrieben, sondern nur das tatsächliche Brief-Original, das an das WVHA geschickt wurde.

Piper nahm zu dem Dokument wie folgt Stellung:

In spite of what Meyer says about the recent discovery of a crucial document on the capacity of the Auschwitz crematoria, this document has been known for a long time. It is a letter from the head of the Central Construction Board in Auschwitz (Der Leiter der Zentralbauleitung der Waffen SS und Polizei Auschwitz), H. Bischoff (signed in his absence by SS-Sturmbannführer Jährling), to H. Kammler, head of office group C in the SS-WVHA, dated June 28, 1943. The letter states that the following numbers of corpses can be cremated over a 24-hour period in specific crematoria in Auschwitz Concentration Camp: 340 corpses in crematorium I, 1,440 in crematorium II, 1,440 in crematorium III, 768 in Crematorium IV, and 768 in crematorium V, for a total of 4,756 corpses cremated per day. Held in the German archive in Domburg, where it is catalogued as item ND 4568, this letter was published decades ago and has been known ever since (SS-im Einsatz. Eine Dokumentation über die Verbrechen der SS, Berlin, 1957, p. 269).

Piper irrte in diesem Absatz an vier Punkten. Erstens hieß der Leiter der Zentralbauleitung Karl Bischoff (und daher nicht "H. Bischoff"), zweitens war Bischoff der "Sturmbannführer" und nicht Jährling und drittens war dieses Dokument nicht unterzeichnet, sondern eben als Durchschlag für die Akten nicht signiert; zum vierten Irrtum weiter unten.

Dem Auschwitz-Museum stand und steht offenbar nicht das Original (der im Moskauer Archiv vorhandene Durchschlag) wie bei van Pelt abgebildet zur Verfügung, sondern eine "Abschrift", die nach dem Kriege anhand des Durchschlages angefertigt wurde. Das Moskauer Exemplar weist im Gegensatz zu der "Abschrift" im Anschrifts- und im Unterschrifts-Abschnitt die SS-Lettern auf, wie sie bei den SS-eigenen Schreibmaschinen zur Verwendung kamen; in der Abschrift dagegen sind normale Schreibmaschinentypen zu erkennen.

Die genannten Veröffentlichungen bezogen sich allesamt auf diese Abschrift des Durchschlages. Zur Geschichte und Provenienz dieser Abschrift ist folgendes zu sagen:

Offensichtlich entstand sie irgendwann zwischen 1945 und 1957, als sie erstmals veröffentlicht wurde. Dem mysteriösen Ort "Domburg" - und damit dem vierten Irrtum von Piper - kommt man durch van Pelt auf die Spur, der in seinem Buch die richtige Fährte legt.

In dem Transkript des Irving-Prozesses wird die Aussage von van Pelt zu dem Dokument noch so aufgeführt:

Moscow, it has been in Moscow. It has been made available, for example, in the Vienna trial. It was available earlier. There was another copy of this document in a Didier archive in Dumburg.[9]

In van Pelts Buch wurden die Aufzeichnungsfehler bereinigt; der letzte Satz lautete demnach:

There was another copy of this document in a DDR archive in Do[rn]burg.[10]

Und später schreibt van Pelt in eben jenem Buch, das Meyer als Anlass für seinen "Osteuropa"-Artikel genommen hatte:

During my examination-in-chief, I presented the court with the other version of the same letter, one that came from the Staatliche Archivverwaltung, Archivdepot Dornburg in the former GDR, which had been made available to the Auschwitz archive years earlier.[11]

Das Schloss Dornburg an der Elbe war seit 1959 von der Staatlichen Archivverwaltung Potsdam genutzt worden; nach zwei Brandstiftungen in den Jahren 1963 und 1964 wurde das Gebäude völlig abgeschottet und zeitweilig sogar ein Fotografierverbot erlassen, was zu der geläufigen Bezeichnung als "Geheimarchiv" führte[12]. Zu den Archivalien der ehemalige Leiter des Archivdepots, Oberarchivrat Dr. Johannes Kornow:

Nach Beendigung der wichtigsten Umbauten wurde das Schloss zügig mit Akten belegt. Vor allem wurden hier Bestände untergebracht, die eigentlich in die Zuständigkeit des Deutschen Zentralarchivs Potsdam gehörten. Das waren z. B. der Teilbestand "Wehrmachtsauskunftstelle Ost" sowie die Bestände "Deutsche Umsiedlungstreuhandgesellschaft" und "Bonner Kliniken". Ich denke ferner an das Sammelsurium "Konzentrationslager und Haftanstalten", wozu die Buchenwalder Häftlingskartei gehörte. Die Archive der Freimaurerlogen Deutschlands bedürfen ebenso der Erwähnung wie die Akten der sogenannten "Kriegsgesellschaften", die während des 1. Weltkrieges die kriegswichtigen Wirtschaftszweige zu koordinieren hatten. Schließlich sei hier auch der Bestand des Versorgungsamtes Rostock genannt.[13]

Nach Angaben von Stefan Schüler wurde "nach der deutschen Wiedervereinigung [...] das Archivmaterial von der Bundesrepublik übernommen und das Schloss geräumt."[14] Demnach sollte sich die fragliche Abschrift in den Beständen des Bundesarchivs befinden.

Selbstverständlich ist es wünschenswert, dass dieses Dokument in Zukunft nur noch nach der von van Pelt veröffentlichten Originalfassung zitiert wird. Die Zitation der fehlerhaften Abschrift bewirkt jedoch nicht, dass damit auch das Original als wertlos oder gar als Fälschung anzusehen sei.

Van Pelt hatte in akribischer, ja detektivischer Arbeit die Zweifel an der Echtheit des Dokuments ausräumen können (van Pelt S. 479-484). Meyers Argumentation gegen dieses Dokument setzt daher an einer anderen Stelle an: Er behauptet, der Brief sei nicht abgeschickt worden.

Aus der Tatsache eines nicht unterschriebenen Durchschlages für die Akten zu folgern, das Original sei nicht abgeschickt worden, ist natürlich absurd. Irgend welche anderen Nach- oder zumindest Hinweise für seine Behauptung hat Meyer nicht erbracht. Sein "Nachweis" besteht in zirkulärer Logik: Seiner Ansicht nach seien die in dem Schreiben vom 28. Juni 1943 enthaltenen Angaben über die Kapazität der Krematorien zu diesem Zeitpunkt schon obsolet gewesen, da im September 1942 - neun Monate vor diesem Schreiben - andere Erfahrungswerte vorgelegen hätten; das Schreiben sei nur ein "Entwurf" gewesen.

Die Lektüre von van Pelt widerlegt auch diese Ersatz-Argumentation für Irvings gescheiterten Versuch, das Dokument insgesamt in Zweifel zu ziehen.

Das Schreiben wurde unter der laufenden Nummer 31550 in das Brieftagebuch der Zentralbauleitung Auschwitz aufgenommen, d.h. nach allen Regeln deutscher Verwaltungskunst ist dieses Schreiben offiziell erfasst und als abgesandtes Schreiben aktenkundig gemacht worden. Nicht abgeschickte Entwürfe werden nicht in Brieftagebücher aufgenommen.

Darüber hinaus: warum sollte die Zentralbauleitung Auschwitz überhaupt ein Schreiben auch nur als Entwurf verfassen sollen, dessen Angaben seit neun Monaten obsolet gewesen wären?

An anderer Stelle übernimmt Meyer die Behauptung von Pressac, das Schreiben sei eine "interne Propagandalüge" gewesen.[15] Diese Einstufung als Protzerei oder Rechtfertigung im Sinne einer Planerfüllung einer untergebenen Stelle gegenüber der übergeordneten Ebene setzt aber gerade voraus, dass dieses Schreiben an die Leitungsebene abgeschickt wurde (so wie es Pressac auch vorausgesetzt hatte).

Diese Annahme, das Schreiben sei obsolet gewesen und daher nicht abgeschickt worden, ist aber wiederum eine zentrale Voraussetzung für Meyers Argumentation, die Krematorien-Kapazität sei auf keinen Fall in der Höhe zu sehen, wie sie in dem Schreiben aufgeführt wird.

Mit der Widerlegung der substanzlosen und aus der Luft gegriffenen Behauptung des "nicht abgesandten Briefentwurfs" fällt damit das Argument in sich zusammen, die Krematorien-Kapazität sei wesentlich niedriger als in diesem Schreiben gewesen.

Dabei ist mir ein ähnlicher Irrtum unterlaufen wie Piper: Beim Erstellen des Artikels habe ich eine handschriftliche Notiz "Buchenwald" als "Birkenau" gelesen. Der Irrtum ist freilich völlig irrelevant, wenn auch Piper meint, "this mistake by Meyer makes unnecessary any further commentary on or evaluation of his findings".

Prüfers Brief von 1942 wurde natürlich nicht "nach Fertigstellung der Krematorien" des KL Birkenau verfasst, sondern nach Fertigstellung des ersten von zwei mit Birkenau baugleichen Dreimuffelöfen im KL Buchenwald: Der Ofen war seit zwei Wochen, seit 23.August 1942, in Betrieb, der zweite Ofen dann vom 3.Oktober 1942 an. Das Resultat auf Grund der praktischen Ergebnisse findet sich denn auch noch einmal in einem zweiten Brief Prüfers vom 15.November 1942, Staatsarchiv Weimar 2/555a, Dossier Prüfer, nach Pressac/van Pelt in: Gutman/Berenbaum, S.212: täglich 800 Körper je großem Krematorium.

In dem nicht abgesandten Briefentwurf vom 28.Juni 1943 waren irrig 1440 Körper je Krematorium/Tag genannt worden.

Hier geht es um einen der kapitalsten Irrtümer in Meyers "Osteuropa"-Artikel, der schon dort eine zentrale Rolle in seiner Argumentation spielte; Piper hat völlig zu Recht geschrieben, dass dieser Fehler eigentlich weitere Kommentare zu Meyers Forschungsleistungen überflüssig mache.

Zur Erinnerung die entsprechende Passage aus dem "Osteuropa"-Artikel:

Demnach wurde im Archiv der Krematoriumsfirma Topf & Söhne (jetzt: Erfurter Malzerei und Speicherbau), Ordner 241, ein Brief des zum Bau in Auschwitz eingesetzten Oberingenieurs Kurt Prüfer aufgefunden, der mit dem 8. September 1942 datiert ist, also neun Wochen nach Bischoffs Schreiben und nach Fertigstellung der Krematorien, mithin aufgrund der ersten Betriebsergebnisse. Laut Prüfer verbrannte jedes der beiden Krematorien I und II täglich 800, jedes der beiden kleineren III und IV 400 Körper, insgesamt 2400.[16]

Zusammengefasst lässt sich sagen. Meyer hatte einen kapitalen Fehler begangen, aber statt ihn einzugestehen und seine Argumentation zurückzuziehen, die darauf basierte, gibt er nun einen halben Fehler zu und versucht, die Argumentation insgesamt zu retten.

Im Einzelnen: Meyer hatte explizit behauptet, das Schreiben von Prüfer beziehe sich auf Auschwitz-Birkenau, er hatte explizit behauptet, es sei "neun Wochen nach Bischoffs Schreiben und nach Fertigstellung der Krematorien" erstellt worden, er hatte explizit behauptet, Prüfer habe weit niedrigere Zahlen als Bischoff als tatsächliche Betriebskapazitäten angegeben.

Die "neun Wochen nach Bischoffs Schreiben" waren in Wirklichkeit neun Monate vor Bischoffs Schreiben; Meyer hatte fatalerweise die Jahreszahlen 1942 und 1943 durcheinander gebracht, wobei er ja direkt davor noch das Datum korrekt benannte ("8. September 1942"). Sämtliche dieser expliziten Behauptungen waren falsch.

Das Schreiben von Prüfer enthielt vorsichtige Angaben eines Lieferanten gegenüber seinem Kunden über die Leistungsfähigkeit seines Produkts. Als es geschrieben wurde, befanden sich die Krematorien in Auschwitz-Birkenau noch in einer frühen Bauphase; für die Krematorien IV und V waren gerade erst im August die ersten Bauzeichnungen erstellt worden[17], die Entscheidung zum Bau der Krematorien III bis V war erst um den 19. August herum gefallen[18].

Wenn Meyer jetzt behauptet, mit der "Fertigstellung der Krematorien" sei "Buchenwald statt Birkenau" gemeint, ist das ein untauglicher Versuch, eine verlorene Argumentation zu retten. Seine Argumentation lautete, aufgrund tatsächlicher Erfahrungswerte in Auschwitz-Birkenau habe die Kapazität gegenüber dem Bischoff-Schreiben nach unten korrigiert werden müssen. Jetzt sagt er, die Kapazität laut Bischoff-Schreiben sei nicht realistisch gewesen, weil in Buchenwald niedrigere Ergebnisse erzielt worden seien.

Dies ist aber in der Tat ein anderes Argument, wenn auch kein sehr gutes: denn die erzielten Kapazitäten in Buchenwald stellten keine zwangsläufige Obergrenze für die erzielbaren Kapazitäten in Auschwitz-Birkenau dar, wo technische Verbesserungen aufgrund der bereits gewonnenen Erfahrungen angewendet werden konnten und wo eine besondere Organisationsform der "Sonderkommandos" einen äußerst durchrationalisierten und effektiven Ablauf ermöglichte.

Zu den tatsächlich erzielbaren Kapazitäten in Auschwitz-Birkenau hatte aber schon van Pelt ausführlich geschrieben[19] und war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Krematorien-Kapazität sehr wohl im Bereich der von Bischoff angegebenen Zahlen lag.

Zu 2) Durchschnittliche Betriebsdauer von neun Stunden täglich.

Diese von Höss angegebene Durchschnittszahl wird von Piper, der den Vorzug geniesst, das Gerichtsprotokoll zu kennen, nicht bestritten und wird durch Pipers weitere Höss-Zitate hinsichtlich der vollen Kapazität abzüglich der defekten Öfen auch nicht widerlegt. […]

Wenn Prüfers Angaben der Tagesleistung eine Betriebszeit von 12 Stunden betreffen, ändert sich die errechnete Kapazität nicht durch einen zeitweilig doch noch erreichten 24-Stunden-Betrieb, da die von Höss genannten acht bis zehn Stunden ja den Durchschnitt für die gesamte Zeit angeben.

Hier betreibt Meyer Irreführung, wenn er eine durchschnittliche tägliche Betriebsdauer von neun Stunden reklamiert. Die Aussage von Höß in seinem Prozess stand in einem bestimmten Kontext: sie betraf den Zeitraum seiner zweiten Tätigkeit als Lagerkommandeur von Auschwitz ab Anfang Juni bis Ende August 1944; in diesem Zeitraum fand die Vernichtung der ungarischen Juden und der Juden aus Lodz statt. Höß hatte auf die Frage des Anklägers geantwortet:

… after your return to Auschwitz, did you give any orders of technical nature to speed up the gassing and incineration of Jews?

Darauf antwortete Höß, dass der Ausbau der Eisenbahngleise in das Lager beschleunigt wurde, dass die offene Leichen-Verbrennungsgrube reaktiviert wurde und dass die Arbeitskolonnen zur Sortierung des Gepäcks der Deportierten vergrößert wurden. Gerade in der Kapazität zur Verarbeitung des Gepäcks sah Höß die entscheidende Engstelle:

It took between four and five hours to unload a train - people and all their luggage - and there was no way to do it faster. People could be dealt with within this time, but the luggage was accumulating in such quantities that this forced us to abandon the idea to increase the number of transports.

"People could be dealt with within this time", mit den Menschen eines Transportzuges konnte man in fünf Stunden fertig werden. Und dann:

No improvements could be made to the crematoria. After eight to ten hours of operation the crematoria were unfit for further use. It was impossible to operate them continuously.[20]

Nichts also von einem "Durchschnitt für die gesamte Zeit" der Lagerexistenz, sondern Höß sprach von dem Zeitraum von drei Monaten, in dem er zum zweiten Mal in Auschwitz war.

Was bedeutet diese Aussage über die Krematorien für die Vernichtungskapazität von Auschwitz-Birkenau im genannten Zeitraum?

Nichts, denn Höß hatte ja gerade vorher auf die Wieder-Inbetriebnahme der offenen Verbrennungsgruben hingewiesen. Dieser Betrieb wird auch durch ein Luftbild nachgewiesen, das am 23. August 1944 von britischen Aufklärungsflugzeugen aufgenommen wurde und erst vor kurzer Zeit bekannt wurde, als ein Archiv mit fünf Millionen digitalisierten britischen Luftaufnahmen für den Zugang per Internet freigegeben wurde[21]. Auf diesem Bild ist deutlich eine große Rauchwolke zu erkennen, die von der offenen Verbrennungsgrube beim Krematorium V ausgeht.

Und selbst wenn die Kapazität der Krematorien höher gelegen haben sollte, wurde sie nach den Zahlen der Eingelieferten nicht gebraucht, weshalb eine anderweitige Verwendung der Bauten stattfand (Unterbringung von Sonderkommando-Häftlingen, Luftschutzkeller) oder mindestens versucht wurde (Badeanlage).

Zu den Zahlen der Eingelieferten, die Meyer unzulässigerweise reduziert hatte, ist an anderer Stelle genügend gesagt. Eine "anderweitige Verwendung" der Krematorien ist Unfug: die Sonderkommando-Häftlinge waren in den Krematorien II und III durchgängig im Dachgeschoss untergebracht, also in unmittelbarer Nähe ihrer "Arbeitsplätze"[22]. Eine Verwendung als "Luftschutzkeller" ist eine bei Holocaustleugnern beliebte Erklärung der Gaskammern; zuletzt hatten sich David Irving und Germar Rudolf damit versucht. Entsprechende Widerlegungen finden sich bei van Pelt; im Register stehen 17 Seitenangaben unter dem Stichwort "air raid shelter"; ein längerer Abschnitt von van Pelts Gutachten zum Irving-Berufungsverfahren befasst sich mit dieser Legende der Holocaustleugner[23].

Eine Nutzung der Krematorien als "Badeanlagen" hat nie stattgefunden, auch nicht als "Versuch". Tatsächlich gab es in den Gaskammern Attrappen von Duschanlagen; die "Sonderkommandos" sagten den Todgeweihten, sie würden nun gebadet (siehe oben, Aufzeichnung von Höß). Zu den kurzzeitigen, nicht durchgeführten Überlegungen zur Einrichtung von 100 Warmwasserduschen siehe ebenfalls das van Pelt-Gutachten[24].

Pipers Kritik betrifft hauptsächlich die Zahl der zur Tötung eingelieferten, also der Nichtregistrierten. Dabei geht es zunächst um die aus Ungarn nach Auschwitz Transportierten, die nicht registriert worden sind. Ich berufe mich überhaupt nicht, wie Piper meint, auf eine Relation zwischen den täglich eingehenden Transporten und der Zahl der Registrierten, sondern schlicht auf den von Czech notierten Eingang von Transporten. Meine gesonderte Untersuchung der Deportierten aus Ungarn werde ich veröffentlichen, wenn Piper es wünscht, die Website dafür geeignet ist. Darin stütze ich mich vor allem auf Zahlenangaben aus den Deportationszonen selbst. Die etwa doppelt so hohen Zahlen des deutschen Diplomaten Veesenmayer stammen von der ungarischen Polizei, die ihre Gründe für Übertreibungen hatten.

Die Zahl der Transporte und der Deportierten aus Ungarn nach Auschwitz ist durch zahlreiche Unterlagen gut bekannt: um die 140 Züge. Zu diesen Unterlagen zählen die Meldungen von Veesenmayer, aber auch Zählungen am slowakischen Grenzbahnhof Košice (ungarisch: Kassa, an der ungarisch-slowakischen Grenze, wo die Züge von den Ungarn an die SS übergeben wurden); faksimilierte Abbildungen zu diesen Unterlagen sind Pipers "Rezensionsbeitrag" als Anlagen beigefügt[25].

Weitere Angaben finden sich in einem Bericht jüdischen Ursprungs aus Ungarn über die Deportationen[26], der am 19. Juni 1944 aus Budapest nach Genf gelangte. Dieser Bericht beschrieb, dass bis zum 7. Juni bereits 335.000 Juden aus dem Lande deportiert worden seien; in dem begleitenden Brief von Moshe Krausz hieß es, seitdem seien weitere 100.000 deportiert worden.[27] Dieser Bericht enthielt sowohl Beschreibungen der Deportationen in den ländlichen Distrikten wie auch zahlenmäßige Aufstellungen "aus den Deportationszonen" (S.200-201).

Eine weitere Quelle ist die Aussage von Willi Hilse am 27.11.1964 im Frankfurter Auschwitz-Prozess. Hilse, zum Zeitpunkt seiner Aussage Bundesbahn-Oberinspektor, war nach eigener Angabe "von 1942 bis 1944 erster Vertreter des Dienstvorstehers bei der Güterabfertigung im Bahnhof Auschwitz". Hilse sagte aus: "Soweit ich mich erinnere, sind bis zu meinem Weggang im Juli 1944 im Rahmen der Ungarntransporte vielleicht 120 solche Züge angekommen. Ob nach meinem Weggang noch weitere Transporte gekommen sind, weiß ich nicht."[28] Im Urteil schrieb das Frankfurter Landgericht: "Die Ungarn-Transporte, die ab Mai 1944 in Auschwitz ankamen, waren nach der glaubhaften Aussage des Zeugen Hi., der in der damaligen Zeit bei der Güterabfertigung am Bahnhof Auschwitz beschäftigt gewesen ist, durchschnittlich 3000 Personen stark. Rechnet man hiervon 25% ab, die im Höchstfall als arbeitsfähig ausgesondert und in das Lager aufgenommen worden sind, so verbleiben 2250 Menschen, die getötet worden sind."[29] Die sich daraus ergebende Dimension der Deportiertenzahl kann mit elementarer Rechenoperation erschlossen werden.

Piper lobt Pressacs Verdienst, die Existenz der Gaskammern in den Krematorien "ohne jeden Zweifel bewiesen" zu haben. Dem lässt sich nicht folgen. Als "absoluten und unwiderlegbaren Beweis für die Existenz einer Gaskammer" nannte Pressac die Brauseköpfe (die er für Attrappen hielt), weil auf dem vorhandenen Bestellzettel dafür zugleich eine "gasdichte Tür" geordert wurde: Die komme nur in Frage bei einer Gaskammer, meinte Pressac. Auch Deborah E. Lipstadt stellte die Frage (in: Betrifft: Leugnen des Holocaust, Darmstadt 1994, S.273): "Wozu hätte man in einem Duschraum eine gasdichte Tür benötigt?" Doch Kulka/Kraus berichteten (Die Todesfabrik, Berlin 1957, S.71) von der Sauna: "Dieses Bad bestand in Birkenau aus zwei Räumen, die durch eine luftdicht abschließbare Tür voneinander getrennt waren." Inzwischen haben sich im Moskauer Archiv die Bestellzettel für 22 "gasdichte" Türen der Entwesungsbaracken, davon zwei für die zugehörigen Saunen, finden lassen.

Die Brauseköpfe in den Gaskammern wurden nicht nur von Pressac für Attrappen gehalten, der ja schließlich in den Ruinen des Krematorium II noch Befestigungen der Attrappen finden konnte:

Pressac also examined the ruins of Corpse Cellar I of Crematorium II and found that seven wooden bases to which similar phony showerheads had been installed were still visible.[30]

Wenn die Brauseköpfe keine Attrappen gewesen sein sollten, so wären sie jedenfalls trocken geblieben, denn sie waren nicht mit einer Wasserleitung verbunden:

However, he [der Holocaustleugner Robert Faurisson, d. Verf.] ignored the fact that Pressac had examined inventory drawings for Corpse Cellar I of Crematorium III which showed that none of its three water taps were connected to the "showers," meaning that these "showers" were fake.[31]

Das Gegenargument der "Sauna" ist keines, denn die Zentralsauna in Auschwitz Birkenau diente ja gerade auch der Entlausung von Kleidung[32]. Dass die Begasungseinrichtungen zur Entwesung von Bekleidung, die im Stammlager eingerichtet wurden, mit gasdichten Türen ausgestattet werden sollten, ist nichts Neues; darauf hatte bereits Pressac hingewiesen[33]. Daher muss auch die vorhandene oder geplante Ausstattung dieser bzw. vergleichbarer Entwesungseinrichtungen in Birkenau nicht verwundern.

Wenn Meyer ungenau davon redet, dass sich "inzwischen [...] im Moskauer Archiv [...] Bestellzettel für 'gasdichte Türen'" haben "finden lassen", dann meint er den Holocaustleugner Carlo Mattogno, der dergleichen gefunden haben will und auf den er sich hiermit beruft, wobei er seine Quelle allerdings verschweigt. Mattogno ist der Holocaustleugner, über dessen taktisches Zugeständnis sich Meyer in seiner "Replik" freute: "Ein italienischer Auschwitz-Leugner hat immerhin das von mir zitierte, von ihm angezweifelte Dokument über den Umbau der beiden Bauernhäuser 'für Sondermaßnahmen', nämlich zum Massenmord, soeben publiziert". Mattogno stellte bereits 1998 (soviel zu Meyers "inzwischen") die rhetorische Frage:

If a gas-tight door and a shower facility are in fact "absolutely incompatible", then why did Auschwitz Zentralbauleitung on 13 November 1942 order "2 100/200 gas-tight doors for the sauna" of the disinfestation installation BW 5a?[34]

Die Antwort darauf liegt bereits seit drei Jahren in dem Buch von Zimmerman vor, das Meyer in seinem "Osteuropa"-Artikel als "gründliche, noch immer nicht ganz befriedigende Auseinandersetzung [..] mit den 'Revisionisten'"[35] bezeichnet hatte:

The document he cited is a work order in AA File 502-1-328. It states: "For: Delousing Barrack. The following work is to be done: The creation of two steel gas proof doors for the sauna." In other words, if we are to believe Mattogno's explanation of this document, gas tight doors were being used in the shower facilities of the sauna. Why would gas tight doors be needed in a shower facility unless prisoners were being gassed?
The sauna is a reference to delousing barracks BW 5a which contained legitimate prisoner shower facilities and rooms where clothing was deloused with Zyklon B. Any logical person reading this document would realize that the gas tight doors were for that portion of the sauna used to disinfest clothing, not for the shower facilities. If Mattogno's explanation of this document is to be believed, then he has demonstrated that prisoners were gassed in the shower facilities of the sauna because the work order specifically refers to the type of gas tight doors which were used in the clothing disinfestation facility!
Mattogno may have believed that because the word sauna was used the argument could be made that it referred to the shower portion. But in fact the building known as the Central Sauna - which began operation in December 1943 - had legitimate shower facilities and places where clothing was disinfested. Not even Mattogno has claimed that the prisoner shower facilities of the Central Sauna had gas tight doors.[36]

Meyer hat hier schlicht - ohne Nennung der Quelle - vom Holocaustleugner Mattogno abgeschrieben und die Entgegnung von Zimmerman unterschlagen; möglicherweise erschien sie ihm "nicht ganz befriedigend".

Unrichtig ist Pipers Ansicht, dass die Entlüftungsanlage des Leichenkellers B (für: "Belüftet") doppelt so stark wirkte wie eine ebenso starke für den doppelt so großen "Entkleidungskeller". Laut Rechnung der Fa. Topf vom 22.2.1943 (Moskauer Archiv 502-1-327) hatte der Entkleidungskeller einen Drehstrommotor von 5,5 PS für die Entlüftung, der B-Keller zwei Drehstrommotoren von je 3,5 PS für die Be- und für die Entlüftung. Demnach war die (technisch ohnehin kontraproduktive) Entlüftung des zum Gasmord vorgesehenen B-Kellers schwächer als jene in dem zur Entkleidung der Opfer vorgesehenen, doppelt so großen Kellerraum.

Be- und Entlüftung ("forced-air ventilation" bei Piper) in der Gaskammer wurden gleichzeitig eingeschaltet[37], daher müssen die Leistungen des Be- und Entlüftungssystems addiert werden; im Ergebnis standen 7 PS für ein Volumen von 504 m³ zur Verfügung. Für den Entkleidungskeller standen demnach 5,5 PS für ein Volumen von 1008 m³ zur Verfügung.

Um mit diesen Zahlen zu spielen: Im Entkleidungskeller standen 0,0054 PS/m³ zur Verfügung, in der Gaskammer dagegen 0,0138 PS/m³. Damit wirkte die Lüftungsanlage in der Gaskammer tatsächlich nicht doppelt so stark wie die der Entkleidungskammer, sondern 2,55 mal so stark.

Entscheidend für die Funktionalität des Systems (und damit für die Beurteilung, ob die Entlüftung "technisch kontraproduktiv" war) sind aber nicht solche Zahlenspielereien, sondern die Umwälzleistung pro Zeiteinheit.

Meyer folgt mit seiner in einer Nebenbemerkung versteckten Behauptung der "Unproduktivität" der Gaskammer-Ventilationsanlagen dem Diktum des Holocaustleugners Germar Rudolf, der in verschiedenen Schriften behauptet hatte, diese Anlagen seien nicht leistungsstark genug gewesen, um nach einer Vergasungsaktion das Giftgas schnell genug aus der Gaskammer abzusaugen (zuletzt in einem "Gutachten", das dem Gericht beim Berufungsverfahren von David Irving eingereicht wurde; Irving zog es dann jedoch vor, dieses "Gutachten" vor Gericht zurückzuziehen). Ausführlich haben sich Richard Green und Jamie McCarthy mit dieser Frage befasst; sie kamen zu dem Ergebnis, dass in den Gaskammern der Krematorien II und III die Luft 15,8 mal pro Stunde komplett ausgetauscht werden konnte und dass nach 15 Minuten die Gaskammer gefahrlos ohne Verwendung von Gasmasken betreten werden konnte[38].

Was daran "technisch kontraproduktiv" sein soll, bleibt das Geheimnis von Meyer.

Nur in wenigen Fällen ließ sich ein Betreten der Krematorien beobachten.

Dem sei hier ausschließlich und ohne weiteren Kommentar ein Auszug aus dem Urteil im Auschwitz-Prozess entgegengestellt.

Die allgemeinen Feststellungen über die Ankunft und Abwicklung von RSHA-Transporten auf der alten Rampe und später auf der neuen Rampe im Lager Birkenau, die Aufgaben und Tätigkeiten der verschiedenen zum Rampendienst eingeteilten SS-Angehörigen, die Täuschung der zum Tode bestimmten Menschen über ihr bevorstehendes Schicksal, die Einzelheiten über ihre Tötung in den verschiedenen Gaskammern, den Bau und die innere Einrichtung der Gaskammern und Krematorien, die Beseitigung der Leichen, die Aufgaben und Tätigkeiten des SS-Sonderkommandos bei den vier Krematorien und schliesslich die Arbeit des jüdischen Sonderkommandos beruhen auf den Einlassungen der Angeklagten Boger, St., Dylewski, Broad, Hofmann, Kaduk, Baretzki, Dr. L., Dr. Frank, Dr. Sc., Dr. Capesius und Klehr, soweit ihnen gefolgt werden konnte und den glaubhaften Aussagen der Zeugen O., Wal., Wil., N., Schl., Hu., Dr. M., To., Lei., H., Dr. Kremer, Ch. (die alle frühere SS-Angehörige im KL Auschwitz waren) sowie den glaubhaften Aussagen der Zeugen bzw. Zeuginnen Ka., Cou., Ja., van V., Vr., K. Erich, Pa., Sw., Bac., Buk., Bö., ferner auf den handschriftlichen Aufzeichnungen des ersten Lagerkommandanten Höss über die "Endlösung der Judenfrage", und dem sog. Broad-Bericht.
Die Angeklagten bestreiten nicht, dass unzählige jüdische Menschen mit RSHA-Transporten in den Jahren 1941-1944 nach Auschwitz zur Vernichtung gebracht, dort auf der Rampe dem geschilderten Ausmusterungsverfahren unterworfen und anschliessend, soweit sie nicht als arbeitsfähig ausgesondert und in das Lager aufgenommen worden sind, in den Gaskammern auf die geschilderte Art und Weise getötet worden sind. Sie bestreiten auch nicht, dass hierbei SS-Angehörige der verschiedenen Abteilungen mitgewirkt haben. Die Angeklagten, denen eine Mitwirkung an der Vernichtung dieser RSHA-Transporte zur Last gelegt wird, stellen nur in Abrede - was noch bei der Erörterung ihrer Straftaten im einzelnen darzustellen sein wird - entweder überhaupt etwas mit der Tötung dieser jüdischen Menschen zu tun gehabt zu haben (wie z.B. der Angeklagte Mulka) oder speziell an der Ausmusterung der Arbeitsfähigen auf der Rampe beteiligt gewesen zu sein.[39]

Ausserordentlich begrüssenswert ist es, dass Piper nun bestätigt, was in der Literatur bisher so kaum herausgestellt wurde: Die vier Krematorien waren laut Piper gebaut worden waren, um jedes Jahr 1,6 Millionen Menschen im Gas zu töten. Doch sofort nach ihrer Inbetriebnahme ging die Zahl der nach Auschwitz Deportierten ohne Registrierung dramatisch zurück, und zwar auf Befehl Himmlers und für die Dauer fast eines Jahres. Danach kamen hauptsächlich die Juden aus Ungarn, die auf Hitlers Befehl aber zum Bau seiner "Wunderwaffen" nach Deutschland gebracht werden sollten. Die ungarische Polizei fügte arbeitsunfähige Familienangehörige hinzu, die ermordet wurden.

Der Rückgang der Morde gleich beim Beginn des massiven Krematoriumbetriebs ist nicht damit erklärt, dass "the majority of Jewish communities had already been liquidated": Bis zu 700000 polnischer Juden lebten noch und die überwiegende Mehrzahl der Juden in Frankreich, Rumänien, Bulgarien, Italien, Dänemark, Ungarn - über eine Million.

Meyer gibt vor, mit einem "Stop-Befehl" von Himmler eine sensationelle Entdeckung gemacht zu haben; dieser Befehl habe die Vernichtungsaktionen in den Todeslagern Belzec, Sobibór und Treblinka beendet und die Deportationen nach Auschwitz und die Vergasungen zumindest effektiv eingeschränkt. Tatsächlich ist das fragliche Schreiben seit langem bekannt; neu ist hingegen allenfalls Meyers Interpretation.

Er bezieht sich damit auf ein Schreiben des WVHA vom 27.4.1943 an die Kommandanten der Konzentrationslager, das er in seinem "Osteuropa"-Artikel wie folgt zitiert hatte:

Schreiben des WVHA vom 27.4.1943 an die Kommandanten der Konzentrationslager, Internationaler Militärgerichtshof (IMT): Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher, Nürnberg 1947, Bd. XXIX, S.173f.: "Der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei hat auf Vorlage entschieden, daß in Zukunft nur noch geisteskranke Häftlinge durch die hierfür bestimmten Ärztekommissionen für die Aktion 14 f 13 ausgemustert werden dürfen. Alle übrigen arbeitsunfähigen Häftlinge (Tuberkulosekranke, bettlägerige Krüppel usw.) sind grundsätzlich von dieser Aktion auszunehmen. Bettlägerige Häftlinge sollen zu einer entsprechenden Arbeit, die sie auch im Bett verrichten können, herangezogen werden. Der Befehl des Reichsführers-SS ist in Zukunft genauestens zu beachten. Die Anforderungen von Kraftstoff (vermutlich für die Gasmotoren, F.M.) für diesen Zweck entfallen daher."[40]

Man fragt sich, ob bei Meyers Interpretation dieses Schreibens Unkenntnis oder Unverfrorenheit überwiegt. Er wirft hier drei verschiedene Handlungsstränge durcheinander, die von unterschiedlichen Akteuren verübt wurden, unterschiedlichen organisatorischen Strukturen zugeordnet waren und unterschiedliche Zwecke verfolgten. Diese drei Stränge - "Euthanasie", "Aktion Reinhard" und Auschwitz - müssen hier im Folgenden der Klarheit willen zusammenfassend dargestellt werden:

1) "Euthanasie"

Die sogenannte "Euthanasie" beruhte auf einem Erlass von Hitler, der faktisch im Oktober 1939 erging, aber auf den Kriegsbeginn 1.9.1939 rückdatiert war. Aufgrund dieses Erlasses wurden Geisteskranke und Behinderte in "Heil- und Pflegeanstalten" (Hadamar, Bernburg, Grafeneck u.a.) umgebracht. Die Aktion wurde - nach dem Sitz der Zentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4 - als "Aktion T4" bezeichnet; sie war dem Hauptamt II (unter Leitung von Viktor Brack) der "Kanzlei des Führers" direkt zu- und untergeordnet.

Diese Mordaktionen wurden jedoch bekannt; aufgrund des öffentlichen Protestes u.a. aus kirchlichen Kreisen wurde die "Aktion T4" am 24.8.1941 offiziell eingestellt. Tatsächlich gingen jedoch Euthanasie-Aktionen unter der Bezeichnung "Aktion 14 f 13" weiter; betroffen waren jetzt aber vor allem geisteskranke und behinderte KZ-Häftlinge, die aber weiterhin in den Anstalten umgebracht wurden. Die "Aktion 14 f 13" fand bis 1944 statt; daneben (hier der Vollständigkeit halber erwähnt) gab es bis kurz vor Kriegsende sogenannte "wilde Euthanasie", d.h. dezentrale Aktionen in den einzelnen Anstalten.

Die "Aktion 14 f 13" bestand darin, arbeitsunfähige ("invalide") KZ-Häftlinge auszusondern und zu töten; der Judenmord stand nicht im Mittelpunkt der Aktion (wenngleich auch Juden unter den Opfern waren). "Nach 1943 setzte die SS die Selektionen unter kranken KZ-Insassen ohne Beteiligung des T 4-Personals fort"[41], d.h. die Aktionen fanden in den Konzentrationslagern innerhalb der Kommandostrukturen des WVHA ("Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt" der SS) und innerhalb der durch Wirtschaftlichkeits-Erwägungen (größtmögliche Ausnutzung von Arbeitskräften) geprägten "Logik" des WVHA statt. Daher konnte auch das WVHA im April 1943 eine Anordnung erlassen, die eben jene Aktion betraf; diese Anordnung erging aufgrund ihrer Bedeutung zwar von Himmler, aber eben "auf Vorlage", also Initiative des WVHA.
2) "Aktion Reinhard"

Die Vernichtung vor allem von polnischen Juden in Belzec, Sobibór und Treblinka war Teil einer "Aktion Reinhard" (eine andere Schreibweise: "Aktion Reinhardt"), deren Zentrale in Majdanek war. Das Personal der "Aktion Reinhard" rekrutierte sich zu einem beträchtlichen Teil aus den Tätern der "Aktion T4", nachdem diese Aktion offiziell eingestellt worden war. Die organisatorische Einbindung der "Aktion Reinhard" war nicht eindeutig; personell waren die Angehörigen weiterhin der "Kanzlei des Führers" zugeordnet, während sämtliche Befehlsstränge über Odilo Globocnik (SS- und Polizeiführer des Distrikts Lublin) liefen, der von Himmler damit beauftragt worden war.

Die drei genannten Lager waren nicht Bestandteil des KZ-Systems, insbesondere unterstanden sie nicht dem WVHA. Sie dienten ausschließlich der massenhaften Vernichtung vor allem der polnischen Juden (daneben auch aus dem Gebiet Bialystok und "Ostland", sprich dem Baltikum und Teilen Weißrusslands), wobei jedes der drei Lager räumlich für verschiedene Teile des Generalgouvernements "zuständig" war (so waren etwa die Deportationen aus dem Warschauer Ghetto für Treblinka bestimmt).

Die Existenz der "Aktion Reinhard"-Lager war von vornherein zeitlich befristet. Himmler hatte bereits am 19. Juli 1942 angeordnet, dass die Aktion bis zum 31.12.1942 abgeschlossen sein sollte[42]. Dementsprechend waren diese Tötungszentren im Vergleich zu Auschwitz, aber auch zu "regulären" Konzentrationslagern, weniger ausgebaut; als Gefangene wurden dort ausschließlich Arbeits- und Sonderkommandos in überschaubarer Zahl gehalten, die für den Betrieb des Lagers und die Vernichtungsarbeit notwendig waren.

Belzec stellte den Vernichtungsbetrieb bereits Anfang Dezember 1942 ein. Am 16. Februar 1943 erließ Himmler einen Befehl zur endgültigen Liquidierung des Warschauer Ghettos, was das nahe Ende der "Aktion Reinhard" bedeutete; Ende Februar war der weitaus größte Teil der Opfer dieser drei Mordzentren bereits tot[43]. Letzte Mordaktionen fanden im Oktober 1943 statt.

Zum Zeitpunkt des Schreibens vom 27.4.1943 war das Ende der Reinhard-Lager längst beschlossen; das WVHA war überhaupt nicht zuständig für diese Lager, die eben keine Konzentrationslager waren.
3) Auschwitz

Die Deportationen von Juden nach Auschwitz und die selektive Vernichtung fanden von vornherein unter völlig anderen Bedingungen als bei der "Aktion Reinhard" statt. Die Geschichte des Lagers Auschwitz zeigt, dass es mit seinen zahlreichen Funktionen, die im Laufe der Zeit hinzukamen, sich überlappten und als dominierende Funktion abwechselten, eine einzigartige Rolle im NS-Reich gespielt hat; vereinfacht gesagt, war es sowohl Kriegsgefangenenlager, Konzentrationslager, Arbeitslager, Durchgangslager (zum Transport in andere Lager) und schließlich Vernichtungslager[44]. Diese Funktionen bestanden nebeneinander, wobei die jeweilige Bedeutung zu verschiedenen Zeiten variieren konnte.

Aus dem ursprünglichen Lager in der Stadt Auschwitz ("Stammlager" oder Auschwitz I) wurden bald zwei weitere "Filialen" ausgegliedert: Auschwitz-Birkenau ("Auschwitz II") und Auschwitz-Monowitz ("Auschwitz III"). Monowitz diente ausschließlich als Arbeitslager für das direkt benachbarte Buna-Werk der I.G. Farben, Birkenau wies dagegen die größte Funktionsvielfalt der drei Lager auf. Neben diesen drei Lagern wurden im Laufe der Jahre weitere Dutzende von Nebenlagern entwickelt, die über die ganze Region Ost-Oberschlesien verteilt waren und teilweise nur noch organisatorisch dem "System Auschwitz" angehörten.

Da Auschwitz als regulärer Bestandteil des KZ-Systems entstanden war, unterstand es auch dem WVHA. Die Deportationen nach Auschwitz wurden jedoch von einer anderen Behörde geleitet: dem RSHA ("Reichssicherheits-Hauptamt" der SS), dem auch die Judenvernichtung oblag. Damit schlug sich auch in den organisatorischen Zuständigkeiten die mehrfache Funktionalität von Auschwitz nieder.

Höß, der Kommandant von Auschwitz, unterstand zwar dem WVHA; der Auftrag zur Judenvernichtung kam jedoch von Himmler selbst, wie Höß in seinen "Aufzeichnungen" berichtete[45]. Die organisatorischen Doppelstrukturen zogen sich bis in das Lager Auschwitz durch, wo die "Politische Abteilung" der RSHA-Struktur entsprach. Höß berichtete:

Ursprünglich waren laut RFSS-Befehl alle durch die Dienststelle Eichmann nach Auschwitz transportierten Juden ausnahmslos zu vernichten. Dies geschah auch bei den Juden aus dem Gebiet Oberschlesien, aber schon bei den ersten Transporten deutscher Juden kam der Befehl, alle arbeitsfähigen Juden, Männer und Frauen, auszusuchen und im Lager für Rüstungszwecke einzusetzen.[46]
Und weiter:

Der Gegensatz der Anschauungen bei den Führern in Auschwitz war entstanden und wurde stets weitergenährt durch die gegensätzliche Auffassung des RFSS-Befehles bei den höchsten Dienststellen in Berlin. Das RSHA (Müller-Eichmann) hatte aus sicherheitspolizeilichen Gründen das größte Interesse daran, möglichst viele Juden zu vernichten.
[...]
Das WVHA (Pohl, Maurer) hatte Interesse daran, möglichst viele Arbeitskräfte, auch wenn sie später arbeitsunfähig wurden, für den Rüstungs-Einsatz zu erhalten. Weiter verschärft wurden diese Interessengegensätze durch die sich ins Unermeßliche steigernden Anforderungen von Häftlings-Arbeitskräften durch das Rüstungsministerium bzw. die Organisation Todt. Beiden Dienststellen machte der RFSS dauernd Versprechungen mit Zahlen, die nie zu erfüllen waren.[47]
In diesem Spannungsfeld zwischen größtmöglichem Vernichtungserfolg und wirtschaftlich notwendiger Ausbeutung der Arbeitskraft bewegte sich Auschwitz.

Es bleibt festzuhalten:

Wie kam es zu dem zeitweiligen Rückgang der Deportationen?

Entgegen der Behauptung von Meyer, dieser Rückgang sei "in der Literatur bisher so kaum herausgestellt" worden, ist er sehr wohl nicht nur dargestellt, sondern auch erklärt worden. Eine detaillierte Darstellung findet sich z.B. in dem Gutachten von Robert Jan van Pelt für das Berufungsverfahren von David Irving:

A more detailed analysis of deportations to Auschwitz shows that, indeed, the crematoria, planned and ordered shortly after the policy to kill all Jews had expanded to include all of Europe's Jews, only had become available when the number of transports arriving in Auschwitz began to dwindle. According to table D in Franciszek Piper's classic study Die Zahl der Opfer von Auschwitz (1993), the transports had gone down from a high of over 57,000 in January 1943 to 28,000 in April to a little over 16,000 in May. By the end of the year the average number of monthly arrivals was around 10,000, and in early 1944 it dropped even below that.[48]

Einen der Faktoren für diesen Rückgang nannte van Pelt an gleicher Stelle:

An added factor is that in May 1943 it also had become clear that the Hungarians were not going to hand the Germans their more than 800,000 Jews. In April, during their meeting in Klessheim Castle, Horthy had refused Hitler's request to deport Hungary's Jews. A popular contemporary summary of that interview held that Horthy told Hitler, "They may be lousy Jews, but they are our lousy Jews." As Goebbels' diary entry of May 8, 1943 reveals, the Germans realised they were not going to succeed. "Horthy himself . . . will continue to resist every effort to tackle the Jewish problem aggressively."

In gleichem Sinne schrieb Piper in seiner Entgegnung auf Meyer:

The number of transports did indeed decrease in this period, for the majority of Jewish communities had already been liquidated, and those that still existed could not be brought under the mass extermination campaign for various reasons. There were political obstacles. Not all the countries originally slated for German occupation (such as England) had been conquered. Some countries (such as Italy) had slipped out of German control. Satellite regimes (as in Hungary) feared giving up their Jews in the face of the approaching, inevitable fascist defeat. Others (such as Bulgaria) opposed the extermination of their Jews.

Meyer kritisiert Pipers Bemerkung, die meisten jüdischen Siedlungszentren seien Mitte 1943 bereits liquidiert gewesen; immerhin hätten in den besetzten oder verbündeten Ländern noch rund eine Million Juden gelebt. Das ist richtig, allerdings hatte die Vernichtungspolitik ja damit schon einen Großteil der für die Nationalsozialisten greifbaren Juden umgebracht. Himmler ließ sich ja sogar von dem Statistiker Korherr eine Erfolgsbilanz anfertigen, die bereits im März 1943 vorgelegt wurde und in der es in der befohlenen Tarnsprache hieß:

Von 1937 bis Anfang 1943 dürfte die Zahl der Juden in Europa teils durch Auswanderung, teils durch den Sterbeüberschuß der Juden in Mittel- und Westeuropa, teils durch die Evakuierungen vor allem in den völkisch stärkeren Ostgebieten, die hier als Abgang gerechnet werden, um schätzungsweise 4 Millionen zurückgegangen sein.[49]

In der "Kurzfassung" seines Berichtes vom 19.4.1943 gab der Statistiker auch gleich die noch ausstehenden Aufgaben im Rahmen der Judenvernichtung an:

Höhere Judenbestände zählen auf dem europ. Kontinent (neben Rußland mit etwa 4 Mill.) nur noch Ungarn (750 000) und Rumänien (302 000), vielleicht noch Frankreich.[50]

Der so getarnte Massenmord an "unnützen Essern", primär also aus wirtschaftlichen Interessen, bedeutet ein Menschheitsverbrechen sondergleichen.
[...]
Zu vernichten war - bis zum Frühjahr 1943 und ab Frühsommer 1944 - der größte Teil der Arbeitsunfähigen, gemäß der Aktion 14f13 und nicht nur in Auschwitz.
[...]
Ideologische und imperialistische Motive der regierenden Massenmörder bestimmten erst die Reihenfolge der Ausrottung "unnützer" Opfergruppen: behinderte deutsche Kinder, behinderte deutsche Erwachsene, polnische Bildungsschicht, russische Kriegsgefangene, wehrfähige, dann alle Juden in Russland, behinderte Russen, schliesslich millionenfach Juden in Polen und aus Westeuropa, und zwar arbeitsunfähige (deshalb die Selektion!); arbeitsunfähige Sinti-"Mischlinge", dann auch einige schwerverwundete deutsche Soldaten und im Bombenkrieg verwirrte Zivilisten, und als Projekt: 35000 polnische Tbc-Kranke auf Vorschlag eines Gauleiters, 30 Millionen Slawen auf Vorschlag der Staatssekretäre und Himmlers - endlich nach Hitlers sozialdarwinistischem Willen auch das ganze deutsche Volk: "So soll es vergehen und von einer anderen, stärkeren Macht vernichtet werden."
[...]
Aus dem ökonomischen Ursprung der Massentötungs-Intention lassen sich in der Welt von heute, in der über den Wert eines Menschen seine Produktivität bestimmt, weitaus konkretere und aktuellere Lehren ziehen als aus einer nicht vorstellbaren und nicht belegbaren Phantasmagorie.

Diese Passagen beschreiben den Kern des Meyer'schen Versuches einer Geschichtsrevision. Die Vernichtung der europäischen Juden wird reduziert auf arbeitsunfähige Juden, die damit unterschiedslos verschmelzen mit anderen arbeitsunfähigen Menschen (und damit "unnützen Essern") wie Behinderten, Kriegsgefangenen, schwerverwundeten Soldaten, Bombenopfern usw.

Natürlich wurden die Juden in den besetzten Gebieten der Sowjetunion nach "Barbarossa" von den Einsatzgruppen nicht anhand eines Kriteriums der Arbeitsunfähigkeit ermordet, genau so wenig wie die in den Todeszentren der "Aktion Reinhard" Ermordeten. Dort wurde eben nicht selektiert, sondern unterschiedslos gemordet. Die Motivation des unterschiedslosen Mordens bestand im Rassenhass und dem Entschluss, die Juden insgesamt auszurotten, nicht in wirtschaftlichen Erwägungen.

Die ideologische Fundierung des Ausrottungswillens, die nicht zuletzt mit der paranoiden Vorstellung von Juden als Todfeinden "deutschen Blutes" zusammenhing, und die Notwendigkeit, die einmal begonnene Vernichtungsarbeit zu Ende zu führen, wurde wohl kaum besser deutlich gemacht als in den Geheimreden des Heinrich Himmler, der im Oktober 1943, also gerade während des Rückganges der Deportationen und vor der Ungarn-Aktion, sagte:

Ich bitte Sie das, was ich Ihnen in diesem Kreise sage, wirklich nur zu hören und nie darüber zu sprechen. Es trat an uns die Frage heran: Wie ist es mit den Frauen und Kindern? - Ich habe mich entschlossen, auch hier eine ganz klare Lösung zu finden. Ich hielt mich nämlich nicht für berechtigt, die Männer auszurotten - sprich also, umzubringen oder umbringen zu lassen - und die Rächer in Gestalt der Kinder für unsere Söhne und Enkel groß werden zu lassen. Es mußte der schwere Entschluß gefaßt werden, dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen. Für die Organisation, die den Auftrag durchführen mußte, war es der schwerste, den wir bisher hatten.[51]

Im Mai 1944, vor Beginn der Ungarn-Aktion:

Die Judenfrage ist in Deutschland und im allgemeinen in den von Deutschland besetzten Ländern gelöst. Sie wurde entsprechend dem Lebenskampf unseres Volkes, der um die Existenz unseres Blutes geht, kompromißlos gelöst.[52]

Und im Juni 1944, also zum Höhepunkt der Ungarn-Aktion:

Es war die furchtbarste Aufgabe und der furchtbarste Auftrag, den eine Organisation bekommen konnte: der Auftrag, die Judenfrage zu lösen. Ich darf dies auch in diesem Kreis wieder in aller Offenheit mit ein paar Sätzen sagen. Es ist gut, daß wir die Härte hatten, die Juden in unserem Bereich auszurotten.[53]

Tatsächlich kamen dann etwa ab 1943 - auch in Auschwitz - auch andere Faktoren zur Geltung; dieses Spannungsfeld zwischen Vernichtungswillen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten, besser: Zwangslagen, ist weiter oben beschrieben worden. Auch Piper hat dieses widersprüchliche Konglomerat von Rahmenbedingungen beschrieben:

Aside from political considerations, the program for the mass extermination of the Jews, who made up the largest group of Auschwitz victim, were hindered by economic considerations, such as those that prevented the Nazis from liquidating the last large concentration of Polish Jews, in Lódz.

Wie viele ungarische Juden aufgrund dieser Zwangslagen - die vor allem durch die Kriegssituation bedingt waren - nun tatsächlich zur Rüstungsarbeit eingesetzt wurden, erscheint vor diesem Hintergrund fast nebensächlich, da es den Nationalsozialisten nie um den Erhalt jüdischen Lebens ging, das nur arbeitsfähig genug hätte sein müssen, sondern um die verzweifelte Hoffnung, mit "Wunderwaffen" das Kriegsglück zu wenden. Wie gleichgültig das Leben jüdischer Arbeitskräfte den NS-Funktionären war, wurde beispielhaft in Dora-Mittelbau deutlich, wo die V2-Raketen des Wernher von Braun produziert und die Zwangs-Arbeitskräfte rücksichtslos verschlissen wurden. Wenn die Kriegssituation tatsächlich zu Gunsten des Dritten Reichs hätte gewendet werden können, wäre dies das Ende der jüdischen Zwangsarbeiter gewesen.

Einen "ökonomischen Ursprung der Massentötungs-Intention" hat es in Bezug auf die europäischen Juden nie gegeben. Tatsächlich gab es einen "ökonomischen Ursprung" dafür, abweichend von den bis dahin erfolgten Massenmorden der Einsatzgruppen, in Chelmno und den Lagern der "Aktion Reinhard" durch die Kriegssituation bedingt einige Juden zunächst am Leben zu lassen. Meyers Interpretation verkehrt das Wesen der nationalsozialistischen Judenvernichtung in ihr Gegenteil: bei ihm wurden die Nationalsozialisten aus Zwang ("wirtschaftlichen Interessen") zu Massenmördern, während sie tatsächlich aus Zwang das Leben einiger nicht sofort auslöschten.


Anmerkungen:

  1. Ebbo Demant: Auschwitz - "Direkt von der Rampe weg ...". Kaduk, Erber, Klehr: Drei Täter geben zu Protokoll. rororo aktuell 4344. Reinbek 1979. S.30f
  2. Langbein, Hermann: Der Auschwitz-Prozeß. Eine Dokumentation. Wien 1965, S. 94
  3. Langbein, Auschwitz-Prozeß, S. 86
  4. Vgl.: Franciszek Piper: Die Zahl der Opfer von Auschwitz. Oswiecim 1993, S.9f.
  5. Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen von Rudolf Höß. dtv München 2000 [17. Aufl.], S. 249
  6. Kommandant in Auschwitz, S. 257f
  7. Piper, Zahl der Opfer von Auschwitz, S. 24
  8. Robert Jan van Pelt: The Case for Auschwitz. Bloomington/Indiana 2002, S.344 und weitaus ausführlicher: S. 479-484
  9. siehe das Verhandlungsprotokoll des Irving-Prozesses vom 25. Januar 2000; Adresse:
    http://www.david-irving.de/docs/proc/irving-day09.html
  10. van Pelt, Case for Auschwitz, S.480
  11. van Pelt, Case for Auschwitz, S.482
  12. siehe: Stefan Schüler: Das Schloss in der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR (1945-1990). Adresse:
    http://schueler-sbk.bei.t-online.de/StengelSchloss3.htm
  13. Johannes Kornow: Nutzung und Erhaltung des Stengel-Schlosses Dornburg in Zeiten der ehemaligen DDR. Vortrag (Erstes Friedrich-Joachim-Stengel-Fest in Anhalt - Beiträge zum Symposium 1997). Adresse:
    http://schueler-sbk.bei.t-online.de/KORNOW1997.pdf
  14. Schüler, a.a.O.
  15. Fritjof Meyer: Die Zahl der Opfer von Auschwitz. In: Osteuropa, 52. Jg., 5/2002,S.634. Adresse:
    http://www.holocaust-history.org/auschwitz/fritjof-meyer/meyer-osteuropa.shtml
  16. Meyer, Zahl der Opfer, S.634
  17. Jean-Claude Pressac: Die Krematorien von Auschwitz. München 1994, S.85
  18. ebd., S. 61
  19. van Pelt, Case for Auschwitz, S.344-350
  20. van Pelt, Case for Auschwitz, S.262
  21. Das Luftbild wurde u.a. hier veröffentlicht:
    http://www.stern.de/politik/historie/index.html?id=519140&nv=fs&cp=5
  22. vgl. die Zeichnung von David Olère in van Pelt, Case for Auschwitz, S.176-177
  23. Report of Professor Robert Jan van Pelt. Re: O. Air raid shelters. Adresse:
    http://www.holocaust-history.org/irving-david/vanpelt/vanpelt-airraid.shtml
  24. van Pelt, Report. Adresse:
    http://www.holocaust-history.org/irving-david/vanpelt/vanpelt-showerheads.shtml
  25. Franciszek Piper: Fritjof Meyer, "Die Zahl der Opfer von Auschwitz. Neue Erkenntnisse durch neue Archivfunde". Review article. Adresse:
    http://www.auschwitz.org.pl/html/eng/aktualnosci/news_big.php?id=563
  26. Ghettoisierung und Deportationen in Ungarn. In: Sándor Szenes, Frank Baron: Von Ungarn nach Auschwitz. Die verschwiegene Warnung. Münster 1994, S.191-201
  27. vgl. Szenes/Baron, S.104
  28. Langbein, Auschwitz-Prozeß, S.84
  29. Urteil LG Frankfurt/Main vom 19./20.8.1965, 4 Ks 2/63 (Auschwitz-Prozess), online verfügbar als Web- und Textversion
  30. John C. Zimmerman: Holocaust Denial. Demographics, Testimonies and Ideologies. University Press of America, Lanham/Maryland 2000, S.197
  31. Zimmerman, Denial, S.196f
  32. vgl.: http://www.auschwitz.org.pl/html/de/zwiedzanie/sauna.html
  33. Pressac, Krematorien, S.114f
  34. Carlo Mattogno: DEBORAH LIPSTADT: A review of Denying the Holocaust. (1998) Adresse:
    http://www.codoh.com/review/revdeblip.html
  35. Meyer, Zahl der Opfer, S. 635, Fn. 19
  36. Zimmerman, Holocaust Denial, S.374, Anm.135
  37. vgl. Pressac, Krematorien, S. 95
  38. Richard J. Green / Jamie McCarthy: Chemistry is Not the Science: Rudolf, Rhetoric and Reduction. Adresse:
    http://www.holocaust-history.org/auschwitz/chemistry/not-the-science/
    In ähnlicher Form im Gutachten von Richard Green im Berufungsverfahren Irving; Adresse:
    http://www.holocaust-history.org/irving-david/rudolf/affweb.pdf
  39. Urteil LG Frankfurt/Main vom 19./20.8.1965, 4 Ks 2/63
  40. Meyer, Zahl der Opfer, S. 633, Fn.9
  41. Teil II: Lexikon: Aktion 14 f 13, S. 1. Digitale Bibliothek Band 25: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 880 (vgl. EdNS, S. 356)
  42. vgl.: Yitzhak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard Death Camps. Bloomington/Indiana, Indiana University Press, 1987, S.165 (hier nach der Paperback-Ausgabe 1999)
  43. Arad, a.a.O.
  44. siehe dazu vor allem Robert Jan van Pelt, Debórah Dwork: Auschwitz. Von 1270 bis heute. Zürich 1998 (amerikanische Originalausgabe 1996)
  45. Kommandant in Auschwitz, S. 237
  46. Kommandant in Auschwitz, S.245
  47. Kommandant in Auschwitz, S.245f
  48. Report of Professor Robert Jan van Pelt, Adresse:
    http://www.holocaust-history.org/irving-david/vanpelt/vanpelt-showerheads.shtml
  49. zit.n.: http://www.ns-archiv.de/verfolgung/korherr/korherr_lang.shtml
  50. zit.n.: http://www.ns-archiv.de/verfolgung/korherr/korherr_kurz.shtml
  51. Rede am 6. Oktober 1943 in Posen vor den Gau- und Reichsleitern; zit.n.: Peter Longerich: Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur "Endlösung". München/Zürich 2001, S. 188f
  52. Rede am 5. Mai 1944; zit.n.: Longerich, S. 189
  53. Rede am 21. Juni 1944; zit.n.: Longerich, S. 191

Die Kontroverse um Fritjof Meyers Artikel in "Osteuropa"