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2. die Gasverteilung und -tiefenwirkung nicht irgendwie eingeschränkt wird.

Es war sogar anzunehmen, daß die Gasverluste durch Adsorption dadurch noch besonders gesteigert werden, daß in kalten Räumen oft ein erheblich größerer Feuchtigkeitsniederschlag an den Wänden auftritt als in warmen Räumen.

Im Laboratorium war dagegen die Frage zu beantworten, in welchem Ausmaße sich bei fallenden Temperaturen die Widerstandsfähigkeit der Bettwanze in allen Entwicklungsformen gegenüber Blausäure erhöht, und ob der bei tiefen Temperaturen erforderliche höhere Grammstundenaufwand durch die bei praktischen Durchgasungen erzielten Blausäure-Konzentrationen noch gedeckt wird.

Die in beiden Richtungen durchgeführten Untersuchungen erbrachten die eindeutige Bestätigung der auf langjährigen praktischen Beobachtungen gegründeten Annahme, daß die Wirksamkeit der Blausäure und die Eignung des Zyklons-Verfahrens ein Temperaturgebiet umfassen, das mit Bestimmtheit noch bis mindestens 10°C unter Null reicht.

Damit war endlich eine Frage beantwortet worden, die zuerst im Jahre 1925 nach der Räumumg eines teiles des von den alliierten Truppen besetzten Reichsgebietes auftauchte, als ein besonders strenger Winter herrschte. Damals hatte man zwar noch bei weitem nicht die Einsicht in die Abhängigkeit der Giftwirkung der Gase von der Temperatur und begnügte sich mit der Feststellung, daß nach der Entwesung keine Beschwerden wegen unvollständiger Wirkung einliefen. Es handelete sich aber in vielen Fällen um Unterkünfte, die schon seit Wochen leer standen; die Innentemperatur der Gebäude zur Zeit der Durchgasung war daher im allgemeinen nicht viel höher als die Außentemperatur, die an manchen Tagen -22° betrug.

Es lag damals noch keine Notwendigkeit und auch keine Möglichkeit zu einer eingehenden Überprüfung vor, da es sich nur um eine einmalige dringende Sonderaktion zu handeln schien, während die normale Durchgasungstätigkeit immer ihren Höhepunkt im Sommer hatte und in der kalten Jahreszeit auf ein Mindestmaß sank. Nur bei der Mühlenentwesung und der Bekämpfung anderer Vorratsschädlinge war schon damals ein erheblich geringerer Unterschied in der Zahl der in der warmen und kalten Jahreszeit anfallenden Durchgasungen zu beobachten, da sogar einige Auftraggeber regelmäßig den Winter als die für ihre Zwecke günstigere Jahreszeit wählten. In diesen Fällen hatte aber schon seit Jahren die Winterdurchgasung mit Zyklonblausäure keine Enttäuschungen gebracht.

Überprüfung praktischer Durchgasungsarbeiten.

Nachdem sich bei zahlreichen Durchgasungsobjekten aus der üblichen Beobachtung heraus bereits Gewißheit über den 100-prozentigen Abtötungserfolg auch bei Raumtemperaturen bis -10°C ergeben hatte, wurden in einigen dafür besonders geeigneten Kaserngebäuden die obigen Fragen eingehender geprüft. Nachfolgend seien einige der Untersuchungsergebnisse zusammengestellt.

Geschwindigkeit der Blausäure aus Zyklon.

1. Kaserngebäude A, Inhalt 39 183 cbm
Zyklon-Verbrauch 396,8 kg. CN = 10 g/cbm.
Untergassetzung 17.1.1941, vormittags 11.30 Uhr.